PMS KIDS für interessierte Eltern
Ausführliche Informationen für Eltern über den Ablauf, den Nutzen und die Voraussetzungen zur Teilnahme an der PMS KIDS Studie.

Worum geht es bei der Studie?
Vielleicht haben Sie sich an eine sprachtherapeutische Praxis gewandt, weil Ihr Kind stottert, oder Sie haben über Ihren Arzt oder andere Eltern von PMS KIDS gehört. Auf dieser Seite finden Sie ausführliche Informationen über das Projekt, wie sich eine Teilnahme an der Studie für Ihr Kind und Sie gestaltet und worin dabei die Vorteile liegen.
Rahmenbedingungen von PMS KIDS
Wofür steht PMS KIDS?
PMS KIDS ist die Abkürzung für „Prospektive multizentrische Studie zur Wirksamkeit ambulanter Stottertherapie nach dem Stottermodifikationsansatz KIDS“. Die Studie ist im Oktober 2018 gestartet und hat eine dreijährige Laufzeit bis zum 30. September 2021. PMS KIDS ist bundesweit ausgerichtet, das heißt es können Eltern und Kinder aus dem gesamten deutschen Bundesgebiet teilnehmen, wenn sie ihr Kind in einer sprachtherapeutischen Einrichtung ambulant behandeln lassen.
Worum geht es in der Studie?
Zentral geht es in dieser Studie um die Wirksamkeit des Stottertherapieverfahrens KIDS („Kinder Dürfen Stottern“) von Peter Schneider und Patricia Sandrieser, welches vor etwa 20 Jahren entwickelt wurde und laut einer Umfrage unter 70 Sprachtherapeuten (Kohmäscher, 2017) von etwa 90 % zur Behandlung stotternder Grundschulkinder eingesetzt wird.
Von wem wird PMS KIDS finanziert und organisiert?
Die Studie wird organisiert durch die FH Münster (Prof. Dr. Anke Kohmäscher) und die Uniklinik der RWTH Aachen (Prof. Dr. Stefan Heim) und finanziert vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Unterstützt wird die Projektarbeit in Münster von zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern und einer studentischen Hilfskraft sowie in Aachen von einem wissenschaftlichen Mitarbeiter und einer studentischen Hilfskraft.
Welche Vorteile hat eine Teilnahme für Ihr Kind und Sie?
Ihr Kind und Sie können durch die Teilnahme an dieser Studie in mehrfacher Hinsicht profitieren:
- Die Therapie erfolgt anhand eines speziell angefertigten Therapiemanuals, das von den Autoren des Therapieverfahrens KIDS erstellt wurde. Außerdem nimmt die behandelnde Fachkraft an einer Schulung in der Handhabung des Manuals sowie an Supervisionen im Therapieverlauf teil. Dies gewährleistet eine hohe Qualität der Stottertherapie und erhöht dadurch die Aussicht auf Erfolg.
- Die Studie ist so angelegt, dass Ihnen und Ihrem Kind durch eine Teilnahme keine Nachteile entstehen. Sie müssen für die Untersuchungen und Sprachaufnahmen allerdings mit einem etwas höheren Zeitaufwand rechnen.
Inhalt, Aufbau und Methodik
Warum wird diese Studie durchgeführt?
Obwohl es unterschiedliche Therapieverfahren für stotternde Kinder gibt, wissen wir derzeit kaum etwas über die Wirksamkeit einer Stottertherapie bei Grundschulkindern. Dabei ist dies sehr wichtig, da mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass Kinder ihr Stottern wieder verlieren.
In Deutschland verwenden sehr viele Sprachtherapeuten in ihrer Arbeit mit stotternden Grundschulkindern das Therapieverfahren KIDS. Typischerweise finden diese Therapien in sprachtherapeutischen/logopädischen Praxen statt, in die das Kind ein- bis zweimal pro Woche kommt. Die Dauer der Therapie unterscheidet sich stark. Sie hängt von der Schwere der Symptomatik, den Wünschen und Bedürfnissen von Eltern und Kind und weiteren Faktoren ab. Die individuellen Unterschiede der Therapien machen eine Beurteilung ihrer Wirksamkeit schwierig.
Hier setzt PMS KIDS an. Ziel ist es herauszufinden, wie wirksam KIDS unter den unterschiedlichen Alltagsbedingungen ist, um daraus Empfehlungen für eine optimale Versorgung stotternder Grundschulkinder ableiten zu können. Im Rahmen dieses Projektes werden die Auswirkungen der Therapie auf das Befinden und Sprechen der teilnehmenden Kinder innerhalb eines Jahres überprüft.
Wie ist der Ablauf der Studie?
Teilnehmende Kinder erhalten die gleiche Stottertherapie nach dem Ansatz KIDS, die sie auch ohne Studienteilnahme erhalten würden. KIDS zielt auf einen Abbau der Begleitsymptome sowie der emotionalen Reaktionen auf Stottern und vermittelt dem Kind ein lockeres, anstrengungsfreies Stottern. Dadurch soll die Wahrscheinlichkeit erhöht werden, dass das Kind sein Stottern verliert. Je nach Verordnung des Arztes erhält das Kind ein- bis zweimal wöchentlich eine 45-minütige Therapie. Die Therapiedauer ist unabhängig von der Studienteilnahme und wird im Verlauf von der Therapiepraxis in Absprache mit dem verordnenden Arzt bestimmt. Es kann also sein, dass Ihr Kind auch nach dem Abschluss der Studie seine Stottertherapie nach KIDS noch fortsetzt.
Für alle Kinder finden Messungen vor der Therapie (T0), nach 3 Monaten Therapie, nach 6 Monaten Therapie und nach 12 Monaten Therapie statt. Zusätzlich ist vorgesehen, dass die Hälfte der teilnehmenden Kinder (Warte-Kontrollgruppe) ihre Therapie nach einer dreimonatigen Wartezeit beginnt und eine zusätzliche Messung nach dieser Wartezeit vor dem unmittelbaren Therapiebeginn erfolgt (T1).
Der Ablauf und die Inhalte der Messungen sind für jeden Zeitpunkt identisch: Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin trifft sich zu einem verabredeten Zeitpunkt mit einem Elternteil und dem Kind in der sprachtherapeutischen Einrichtung, in der die Therapie stattfindet. Dort wird mit dem Kind ein ca. 10-15-minütiges Gespräch geführt, welches auf Video aufgezeichnet wird. Falls das Kind bereits lesen kann, wird es zusätzlich gebeten, einen ca. einseitigen Text vorzulesen.
Im Anschluss wird der Fragebogen OASES-S (Fragebogen zur Erfassung der Erfahrungen von stotternden Kindern; Euler et al., 2016) bei dem Kind abgenommen. Dabei werden 60 Fragen vorgelesen und das Kind entscheidet sich jeweils anhand einer 5-stufigen Skala, wie sehr diese Frage zum Erleben seiner Stottersymptomatik passt. Zum Abschluss werden die Eltern gebeten, den aktuellen Schweregrad des Stotterns ihres Kindes auf einer Skala von 1 bis 10 einzuschätzen. Die Anwesenheit der Eltern bei den maximal einstündigen Untersuchungen ist ihnen freigestellt.
Da Stottern je nach Situation und Tagesform sehr unterschiedlich ausgeprägt ist, werden für jeden Messzeitpunkt (vorher, nach 3, 6 und 12 Monaten) – zusätzlich zu den Aufnahmen während der Therapietermine – zwei zehnminütige Sprachaufnahmen des Kindes außerhalb der Therapieeinrichtung benötigt. Bei einem ersten Gespräch spricht das Kind dabei zu Hause mit den Eltern und in einem anderen Gespräch an einem anderen Ort mit einem anderen Erwachsenen. Dafür wurde eine App für Smartphones entwickelt, die hierfür auf einfache Weise genutzt werden kann.
Welche Kinder können an PMS KIDS teilnehmen?
Jedes stotternde Kind konnte an dieser Studie teilnehmen, wenn es:
- zu Beginn der Studie zwischen 7 und 11 Jahren alt war (Grundschulklasse 1 bis 4),
- in der ersten Untersuchung im Fragebogen OASES-S eine mindestens milde bis mäßige Beeinträchtigung durch das Stottern zeigte und
- die Sprachtherapiepraxis die deutschen Sprachkenntnisse der Therapiebeteiligten für eine Therapie nach KIDS als ausreichend ansah.
Ein Kind konnte nicht teilnehmen, wenn weitere neurologische, sprachliche, emotionale oder verhaltensbezogene Auffälligkeiten bestanden, die die Durchführung einer Stottertherapie nach KIDS verhinderten. Eine Therapie sprachlicher Aspekte (z. B. Lispeln, Schluckstörung, Lese-Rechtschreibschwäche) durfte parallel zur Stottertherapie erfolgen. Kinder, die in der Einrichtung bereits eine Stottertherapie begonnen hatten, kamen für PMS KIDS nicht in Frage. Dagegen war eine Teilnahme möglich, wenn das Kind in der Vergangenheit eine Stottertherapie erhalten hatte und erneut beginnen wollte.
Was geschieht mit den Aufnahmen der Kinder?
Die Auswertung der erhobenen Daten wird von den wissenschaftlichen Mitarbeitern vorgenommen. Für alle Sprechproben wird die Häufigkeit des Stotterns und in der Video-Aufnahme zusätzlich die Dauer der drei stamped Stotterereignisse sowie motorische Mitbewegungen bestimmt. Für den Fragebogen OASES-S wird ein Gesamtpunktwert ermittelt. Statistische Auswertungen erfolgen am Studienende, wenn alle Daten erhoben sind.
Alle erhobenen Daten werden pseudonymisiert auf einem Server der FH Münster gespeichert. Die Zuordnung persönlicher Angaben wie Name, Alter, behandelnde Einrichtung zu den Sprechproben ist in einer Liste vermerkt, die nur den wissenschaftlichen Mitarbeitern des Projekts zugänglich ist. Bei einer vorzeitigen Beendigung der Studienteilnahme werden die Daten auf Wunsch gelöscht. Ansonsten werden die Daten 10 Jahre anonymisiert gespeichert.
Teilnahmebedingungen
Welche Voraussetzungen muss ich für eine Studienteilnahme mitbringen?
Eine Teilnahme an PMS KIDS war möglich, wenn die gewählte Einrichtung an der Studie teilnahm. Mit der Teilnahme erklärten sich die Eltern einverstanden, dass das Kind nach dem Verfahren KIDS therapiert wird.
Was muss ich bei einer Teilnahme beachten?
Die Studienteilnahme brachte zwei Besonderheiten für die Probanden mit sich: Die Hälfte der teilnehmenden Kinder begann die Therapie sofort. Die andere Hälfte startete damit nach einer dreimonatigen Wartezeit, welche per Zufallsprinzip zugeteilt wurde.
- Aktuelles Aktuelle Nachrichten und Meilensteine aus der PMS KIDS Forschung Studie.
- Therapeuten & Studiendesign Informationen für Therapeuten zum Rahmen der PMS KIDS Studie sowie eine Übersicht teilnehmender Praxen.