Weitere Studien im Rahmen von PMS KIDS
Das Ziel von PMS KIDS ist es, die Wirksamkeit des Therapieverfahrens KIDS unter Alltagsbedingungen zu überprüfen sowie wissenschaftliche Erkenntnisse zu vertiefen.
Das Ziel von PMS KIDS ist es, die Wirksamkeit des Therapieverfahrens KIDS bei stotternden Grundschulkindern unter Alltagsbedingungen zu überprüfen. Dieses Projekt wird zudem genutzt, um weitere Erkenntnisse zu sammeln, die für die Qualität von Stottertherapien in dieser Altersgruppe wichtig sind. Hierzu wurden vor allem zwei Promotionsprojekte entwickelt, in denen die Projektmitarbeiterinnen Sabrina Heiler und Patricia da Costa Avelar zu den Themen Resilienz bzw. Ressourcen stotternder Kinder und Aufmerksamkeit sowie die Anwendung von Sprechtechniken forschen. Außerdem werden Bachelor- und Masterarbeiten zu Themenfeldern unterstützt, die für stotternde Kinder relevant sind.
Erste weiterführende Studie: Ressourcen stotternder Kinder
Die erste Studie untersucht personale und soziale Ressourcen stotternder Kinder. Sabrina Heiler erforscht, welche Fähigkeiten oder Eigenschaften stotternde Kinder aufweisen, die als Schutzfaktoren gegenüber negativen Auswirkungen des Stotterns auf die Lebensqualität wirken. Schutzfaktoren sind Merkmale, die Kindern helfen können, mit Herausforderungen oder schwierigen Lebensereignissen umzugehen. Beispielsweise könnte dies eine optimistische Einstellung oder ein hoher Grad an Selbstwertschätzung sein.
Hintergrund der Studie
Hintergrund dieser Studie ist die Tatsache, dass bislang wenig über spezifische Schutzfaktoren von stotternden Kindern bekannt ist. Ein genaueres Wissen über diese Faktoren kann zu einer gezielten Förderung genutzt werden und ggf. zu einer Erhöhung der Lebensqualität stotternder Kinder führen. Auf dieser Grundlage kann die Studie zu einer Optimierung der Therapieplanung und somit zu einem erhöhten Nutzen von Stottertherapien beitragen.
Zielgruppe und Kriterien
Die Studie richtete sich an stotternde und nichtstotternde Kinder zwischen 8 und 13 Jahren, die eine Stottertherapie planten bzw. vor Beginn standen, sowie deren Eltern. Durch die Teilnahme wurde die wissenschaftliche Arbeit im Bereich Stottern unterstützt.
Ablauf der Untersuchung im Rahmen der Studie
In der Studie erfolgte eine einmalige Untersuchung (online). Der Zeitaufwand betrug etwa 60–75 Minuten.
Der genaue Ablauf der Untersuchung gestaltete sich wie folgt:
- Ein Gespräch mit den Eltern zur Erfassung von Hintergrundinformationen zur Stottersymptomatik des Kindes sowie weiteren Erkrankungen.
- Ein 10-minütiges Gespräch mit dem Kind sowie das Vorlesen eines kurzen Lesetextes. Anschließend wurde der Fragebogen OASES-S bzw. OASES-T (Euler et al., 2016) eingesetzt (60 bzw. 80 Fragen).
- Anschließend wurde der Fragebogen FRKJ 8-16 (Fragebogen zu Ressourcen im Kindes- und Jugendalter; Lohaus & Nussbeck, 2016) beim Kind und in der Elternversion bei den Eltern abgenommen (60 Aussagen mit jeweils vier Antwortmöglichkeiten, Dauer ca. 20–30 Minuten).
Die Anwesenheit der Eltern bei der Untersuchung des Kindes war freigestellt.
Stand (November 2020)
Die Datenerhebung lief seit März 2020.
Zweite weiterführende Studie: Aufmerksamkeitsleistungen und ihre Bedeutung für die erfolgreiche Anwendung von Sprechtechniken bei stotternden Kindern
Hintergrund der Studie
Spezifische Aufmerksamkeitsfunktionen tragen zum flüssigen als auch zum unflüssigen Sprechen stotternder Menschen bei. Bisherige Studien zeigen, dass die Aufmerksamkeitsleistungen von Menschen, die stottern, tendenziell von Menschen, die nicht stottern, abweichen.
Auch für die Anwendung von Sprechtechniken sind Aufmerksamkeitsleistungen erforderlich. Einschränkungen in der Aufmerksamkeit könnten ein Grund sein, warum es manchen Betroffenen nicht gelingt, diese Techniken dauerhaft einzusetzen. Dieser Zusammenhang zwischen Aufmerksamkeitsleistungen und dem Einsatz von Modifikationstechniken (Sprechtechniken der Stottermodifikation) sollte bei Kindern untersucht werden.
Zielgruppe
Für diese Teilstudie wurden 50 stotternde Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren untersucht.
Ablauf der Untersuchung im Rahmen der Studie
Die einstündige Untersuchung fand zu einem einzigen Zeitpunkt in einer sprachtherapeutischen Einrichtung oder nach Vereinbarung zu Hause statt.
Der Ablauf der Untersuchung war wie folgt:
- Die Eltern erhielten nach Eingang der Einwilligungserklärung Fragen zum Thema Sprechtechniken, die sie vor der Testung beantworteten.
- Zu Beginn der Testung fand ein Kennenlerngespräch mit den Eltern und dem Kind statt.
- Die eigentliche Testung umfasste drei Teile:
- die Kinderversion der Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung (KITAP) am Laptop
- die Beschreibung von zwei Situationsbildern
- die Beantwortung von Fragen zum Thema Sprechtechniken
Stand (November 2020)
Die Studie wurde von der Ethik-Kommission der Medizinischen Fakultät der Uniklinik RWTH Aachen auf ihre ethische Unbedenklichkeit geprüft. Ein positives Ethikvotum lag vor, die Datenerhebung begann im November 2020.
Dritte weiterführende Studie: Zuhörereindruck des Sprechens stotternder Kinder mit und ohne Anwendung von Sprechtechniken
Hintergrund der Studie
Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass stotternde Kinder die in der Therapie erlernten Sprechtechniken teilweise selten bis gar nicht in alltäglichen Sprechsituationen anwenden. Zudem wird das Sprechen mit Sprechtechnik von einigen Kindern als ungewohnt und nicht angenehm beschrieben. Stotternde Kinder empfinden einen großen Unterschied zwischen ihrem Stottern und dem Sprechen mit Einsatz von Techniken.
Diese innere Wahrnehmung sollte mit dem Eindruck von Zuhörern abgeglichen werden. Hierzu wurden unterschiedliche Zuhörer gebeten, Audioaufnahmen mehrerer Kinder, die mal mit und mal ohne Sprechtechniken sprechen, zu beurteilen.
Zielgruppe
Für die Zuhörerbeurteilung wurden jeweils 30 Eltern, SprachtherapeutInnen, stotternde Erwachsene und nicht-stotternde Erwachsene einbezogen.
Ablauf der Untersuchung im Rahmen der Studie
Im ersten Kontakt zwischen der Untersucherin und den Studienteilnehmern wurde ein Termin und Ort nach Wahl vereinbart. Zur Beurteilung wurden den Teilnehmern zwölf Audioaufnahmen mit Sprechprobenausschnitten stotternder Kinder vorgespielt. Die Teilnehmer beurteilten diese anhand eines Beurteilungsbogens auf unterschiedliche Merkmale hin. Die Dauer aller Beurteilungen betrug etwa 20 Minuten.
Stand (November 2020)
Die Studie wurde von der Ethik-Kommission der Medizinischen Fakultät der Uniklinik RWTH Aachen auf ihre ethische Unbedenklichkeit geprüft. Ein positives Ethikvotum lag vor.
Masterprojekt: Entwicklung des praxisorientierten Fragebogens für Eltern von stotternden Kindern (PROFES)
In einem Masterprojekt konstruierte Nora Horst einen Fragebogen für Eltern von stotternden Kindern, welcher in der logopädischen Praxis Anwendung finden soll.
Hintergrund des Projekts
Patientenfragebögen bilden in der logopädischen Therapie einen wichtigen Teil der Diagnostik ab. Der entwickelte PROFES ermöglicht es, einen differenzierten Überblick über Einstellungen, den Desensibilisierungsgrad und den Leidensdruck von Eltern stotternder Kinder zu erhalten. Konkret enthält der Fragebogen Fragen zu Reaktionen auf Stottern, elterliche und kindliche Lebensqualität, Einstellung und Wissen zu Stottern und den Grad der Desensibilisierung. Auf Grundlage des Fragebogens können Therapeuten Schwerpunkte für die Therapie festlegen und Therapiefortschritte messen und belegen.
Stand (Oktober 2020)
Logopädische TherapeutInnen und Eltern stotternder Kinder bewerteten den Fragebogen PROFES hinsichtlich Relevanz und Verständlichkeit. Hieraus entstand Schritt für Schritt eine verbesserte Fragebogenversion mit 30 Items (ursprüngliche Version: 49 Items). Anhand statistischer Auswertungen wurde festgestellt, dass die Fragen eine höchst zufriedenstellende Inhaltsvalidität besitzen.
- Über uns Das Team und die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der PMS KIDS Studie im Überblick.
- Therapeuten & Studiendesign Informationen für Therapeuten zum Rahmen der PMS KIDS Studie sowie eine Übersicht teilnehmender Praxen.